Stolpersteine II

Text und Fotos: Andrea Kleffmann

Seit 2006 beteiligt sich die Maria Sibylla Merian-Gesamtschule am Projekt „Stolpersteine“ des Kölner Künstlers Gunter Demnig, bereits seit 2004 verlegt der Künstler im Bochumer Stadtbereich die Erinnerungssteine.

Sie finden sich überall im Stadtgebiet von Bochum und Wattenscheid, und zwar genau dort, wo Menschen wohnten, die in der NS-Zeit verfolgt, deportiert und ermordet wurden. „Stolpersteine“, das sind kleine Erinnerungszeichen und Symbole, die Passanten motivieren sollen, kurz inne zu halten und sich an die Taten während der NS-Zeit zu erinnern. Derartige 10 x10 cm große und mit Messing überzogene Steine mit den Lebens- und Todesdaten der Betroffenen finden sich in ganz Europa und bilden zusammengenommen ein Denkmal.

Die jeweilige Schülergruppe der unterschiedlichen Stufen, die an diesem Kunst- und Geschichtsprojekt in den letzten 10 Jahren teilgenommen haben, musste mit Hilfe von Herrn Andreas Halwer und Frau Angelika Karg aus und im Stadtarchiv Bochum stadtarchiv@bochum.de die eigentlich Arbeit beginnen. Hier erhielten sie Vorschläge für Personen und die Recherchearbeit, suchten nach alten Adressen der Verfolgten. Außer dem Stadtarchiv waren jüdische Friedhöfe in Bochum, Hattingen, Wattenscheid und Essen, dann Landes-, Staats- und Stadtsarchive in unterschiedlichen Bundesländern und natürlich die Archive in Arolsen und Bonn Anlaufstellen, um Details und Informationen zu den Verstorbenen zu erlangen. Das für Bochum und Wattenscheid zuständige Landesarchiv in Münster zeigte sich hier besonders kooperativ. Allerdings gelang es einigen Schülern während ihrer Recherche auch in Staatsarchive der Nachbarbundesländer und nach Amsterdam zu fahren, um Informationen zu bekommen. Die Archive der KZs und Ghettos im Osten Europas unterstützen die Arbeit, so dass das eigentlich Ziel des Projekts realisierbar wurde.
Ziel des Projektes war es von Anfang an, die Geschichten der Menschen, für die „Stolpersteine“ verlegt wurden, einer Öffentlichkeit zugänglich zu machen, so dass die Schülergruppen während einer öffentlichen Präsentation in Stadtarchiv in Bochum ihre Ergebnisse vorstellen können. Letztlich hat das Stadtarchiv alle Ergebnisse – ob Powerpoint-Präsentationen oder Texte zur Lebensgeschichte – auf der Homepage der Stadt und des Stadtarchivs (https://www.bochum.de/stolpersteine/nav/9BLDJS939BOCM) öffentlich gemacht:

  • Alfred Hess
  • Emil, Erna, Hanna und Eva Emma Röttgen
  • Alexander Hermann
  • Sophie Röttgen
  • Isaak und Emma Salomon
  • Albert, Irma und Gerd Kaufmann
  • Hugo Steinwasser
  • Sally und Lina Habermann und Julie Löwenstein
  • Ernst, Günter, Werner und Sara Röttgen
  • Salomon Meiseles
  • Hugo, Martha, Inge und Heinz Groß, Johanna Spiero
  • Elise Spiero
  • Julius, Grete und Rudi Leibreich
  • Wilhelm Mendel und Ella Mendel geb. Kraus

Die zuletzt genannten Steine recherchierte der Projektkurs „Geschichte“ der Stufe Q 1 im vergangenen Schuljahr, die Steinverlegung fand im Winter 2017 statt, am 24.1.2018 wurde die Geschichte der Familie Mendel, die in Bochum-Wattenscheid vor der Deportation ein Möbelhaus besaß, im Stadtarchiv präsentiert. Als Basis dienten den Schülern und Schülerinnen die Recherchen im Stadt- und Landesarchiv und die Auskünfte aus Arolsen und Stutthof, wobei der Kurs auch eine dreitägige Exkursion nach Weimar/Buchenwald unternahm: Wilhelm Mendel, der am 4. Juni 1899 in Gronau geboren wurde, heiratete im April Ella-Luise Mendel, geborene Kraus, die aus Wattenscheid stammte. Sie wurde am 29. November 1903 in Bochum-Wattenscheid geboren und bekam am 3.4.1930 den gemeinsamen Sohn Günther. Die Familie wurde am 27.1.1942 nach Riga deportiert. Vermutlich starb Wilhelm Mendel am 30.12.1943, während seine Frau und sein Sohn ab dem 1.10.1944 zuerst ins KZ-Lager Kaiserwald und von dort später ins KZ Stutthof verlegt wurden. Als Todesdatum für Ella Mendel ist der 12.12.1944 angegeben. Der Sohn Günther überlebte.

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